Bundestechnologiezentrum für Elektro- und Informationstechnik
Meister, Betriebswirt, Fachplaner
 
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Holger Kierstein
(† 24. August 2018)

Elektrotechnikermeister
Kommunikation und Sicherheit

1988 BFE-Meister
Heute: Geschäftsführer der FSO GmbH, u. a. Vorsitzender für den AK Alarmempfangsstellen (AES) bei der Deutschen Kommission Elektrotechnik (DKE)

Holger Kierstein war einer der Guten: Er hatte sich darauf spezialisiert, Alarmmeldungen zu verwalten. Heute laufen mehr als sechs Millionen pro Jahr ein.

 


Es muss funken.

Als Holger Kierstein feststellte, dass man ihm seinen neuen Audi gestohlen hatte, machte er sich keine Sorgen. Denn seine Mitarbeiter konnten der Polizei die exakten Koordinaten des Fundortes durchgeben. Nach zwei Stunden konnten die Beamten den Wagen in ihre Obhut nehmen. Das vorab installierte Ortungssystem hatte einwandfrei funktioniert. – Zehn Jahre ist das jetzt her, und Kierstein muss immer noch ein bisschen lächeln, wenn er sich die Gesichter der Diebe vorstellt. Sicherheitslücken zu schließen, ist seine Passion. Und am liebsten zieht er dabei seine Strippen im Verborgenen.

Als der gelernte Radio- und Fernsehtechniker beim BFE seinen Meister machte, war er für damalige Verhältnisse noch sehr jung. Mit 22 lag er gute acht Jahre unter dem Durchschnittsalter. Man schrieb das Jahr 1988, die Fernüberwachung hatte sich gerade die Kinderschuhe angezogen. Scharfsinnig erkannte Kierstein damals das darin steckende Potenzial. Gemeinsam mit einem Partner beschloss er, den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen.

Wir machen’s einfach!

Die Idee war ambitioniert: Sie wollten eine Leitstelle für Alarmsignale aller Art werden. Dabei zielten sie insbesondere auf die Kooperation mit den Handwerksunternehmen, die die Sicherheitssysteme einrichteten. Denn damals wurden zwar fleißig in allen Bereichen Alarmanlagen installiert, doch bisher wusste keiner so recht, wohin mit den Meldungen. Ob Raubüberfall oder Einbruch, Brand, Geldautomatenbetrug, festsitzender Fahrstuhl oder Temperaturanstieg im Kühlhaus: Wie eine Spinne im virtuellen Kommunikationsnetz wollte Kierstein alle Fäden zusammenführen.

Im zweiten Halbjahr ging es rund.

Mit fünf mutigen Kunden ging Kierstein schließlich ans Netz. Als technischer Dienstleister brauchte er keinen Meister, um zu beginnen. Kurz vor Teil 1 und 2 seiner Prüfungen unterschrieb er beim Notar die Gründungspapiere. Der erste Arbeitsplatz fiel noch bescheiden aus: Er war sechs Quadratmeter groß, darin ein Tisch, ein Stuhl und ein paar Rechner und Telefone.

Am 1. Oktober 1988 ging die Leitstelle offiziell online, es war die Geburtsstunde der Fernwirk-Sicherheitssysteme Oldenburg GmbH (FSO). Von da an musste das Unternehmen rund um die Uhr besetzt werden. Das Start-up leistete sich seine erste Mitarbeiterin. Dumm nur, wenn sie krank wurde und der Unterricht im BFE lief. Rückblickend empfiehlt Kierstein eine Firmengründung während der Prüfungszeit doch lieber nicht.

Sechs Millionen Meldungen pro Jahr

Drei Jahre später trennten sich die Geschäftspartner; Kierstein machte allein weiter. Zu den Errichtern kamen Konzessionäre, NSL-Betreiber, Hersteller und auch Energieversorger. Die EWE AG erkannte das Potenzial und stieg 2000 sogar mit ein.

Heute gehören über 200 Handwerksunternehmen aus der gesamten Republik zu den Kooperationspartnern der FSO. Kierstein geht bei allen relevanten Bundesverbänden ein und aus, und hat den Vorsitz bei der Deutschen Kommission Elektrotechnik (DKE) für den Arbeitskreis Alarmempfangsstellen (AES) übernommen. Längst hat das Unternehmen einen Neubau bezogen, 35 Mitarbeiter arbeiten hier im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr. Die Leitstelle betreut mehr als 30.000 fernüberwachte Einheiten. Pro Jahr treffen hier über sechs Millionen Meldungen ein.

Ganz sicher?

Kierstein ist 47, glücklich verheiratet und Vater einer sechsjährigen Tochter. Der Markt hat sich in den letzten Jahrzehnten um ihn herum gefüllt. „Unsere Kernkompetenz lag schon immer in der Zusammenführung und Vernetzung von Technologien und Dienstleistungen, dies spiegelt sich auch heute in unserer aktuellen strategischen Ausrichtung als Security-Provider wider“, sagt Kierstein.

Für die Zukunft sieht er in seinem Fachbereich noch viele Entwicklungsmöglichkeiten. „Dabei geht es weniger um neue Technologien. Die Herausforderung besteht darin, Know-how aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verbinden“, sagt Kierstein mit Überzeugung. Und wer weiß, vielleicht hat er diese Information ja von einem seiner Ortungssysteme.

www.BFE.de

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