Bundestechnologiezentrum für Elektro- und Informationstechnik
Meister, Betriebswirt, Fachplaner
 
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Ralf Scholz
Ralf Scholz

Elektrotechnikermeister
Energie- und Gebäudetechnik

1981 BFE-Meister, 2002 BFE-Betriebswirt
Heute: Inhaber Elektro Scholz, Vorstand Bremer Elektroinnung

Meister Scholz definiert Erfolg nicht darüber, wie viele Autos im Hof parken. Wichtiger sind ihm seine drei Kinder, seine Frau und seine Freiheit.

 


Es muss funken.

Eine hübsche junge Frau im Sommerkleid, ein Meer von Blumen, ein Elektriker, der bei ihrem Anblick fast von der Leiter fällt. So beginnen Schmonzetten im Vorabendprogramm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Und die Erfolgsgeschichte von Elektro Scholz.

Es ist einer der wenigen heißen Sommertage in Bremen. Die Luft flirrt über dem Kopfsteinpflaster, die Hansestadt schwitzt. Mitten in einem Blumenladen irgendwo in Sebaldsbrück steht Ralf Scholz ganz oben auf einer Leiter und schraubt eine Lampe an die Decke. Er ist kraftstrotzende 25, sein Shirt klebt leicht an seinem Oberkörper, hauteng sitzen die Blue-Jeans. In diesem Moment tritt eine zierliche blonde Frau durch die Tür. Er verliebt sich sofort in sie. Sie sich in seine knackige Rückansicht. Am Ende des Tages wird die damals 23-jährige Kirsten ihren Job als Floristin schmeißen und Hand in Hand mit Ralf aus dem Laden laufen. Beide sind elektrisiert. Das Familienunternehmen Elektro Scholz ist so gut wie gegründet.

Die große Freiheit liegt im Kleinen

Ein paar Monate später, man schreibt das Jahr 1984, eröffnen die Zwei in einem Wohnhaus ihr Elektrounternehmen. Seitdem sind sechs Mitarbeiter und ein paar Transportautos hinzugekommen. Die Werkstatt ist von Blumental nach Aumund gezogen. Das war es aber auch schon. Drei Jahrzehnte, doch die Fakten-Historie ist schnell erzählt. Die große Expansion blieb aus. Sie stand aber auch nie zur Diskussion. Ralf Scholz sagt: „Ich definiere Erfolg nicht über die Anzahl meiner Firmenwagen.“

Erfolg, das sind für ihn die 20 jungen Menschen, die er und seine Frau bislang ausgebildet haben. Eine gesunde und glückliche Familie. Und die Freiheit, die er sich erkämpft hat. Frühstücken, wann man will zum Beispiel. Oder Urlaub, ganze drei Wochen am Stück. Diese Gestaltbarkeit des eigenen Lebens hat er auch seinen drei Kindern vermittelt. Sie haben aber auch mitbekommen, wie die Eltern schon beim Morgenkaffee in die Rechnungen guckten, mit schwierigen Kunden umgingen und die Konsequenzen eigener Entscheidungen trugen. Was Ralf Scholz und seine Frau sich mühsam selbst beibringen mussten, hat ihr Nachwuchs bereits von den Babybeinen an vorgelebt bekommen: Selbstständigkeit.

Versuch und Irrtum

Scholz war 21, als er beim BFE seinen Meister in Energie- und Gebäudetechnik absolvierte. Schon damals spielte er mit dem Gedanken einer Selbstständigkeit. Die drei folgenden Jahre in der Industrie überzeugten ihn restlos, dass er weder Beta-Tier noch Stempeluhr-Freund werden würde. Wie eingangs beschrieben, raubte er nun kurzerhand eine Floristin und gründete seinen Laden. Doch ihm fehlte kaufmännisches Wissen. Mit 42 beschloss er, noch einmal ins BFE zurückzukehren, um dort seinen Betriebswirt zu machen. Bereut hat er es nicht, seitdem läuft der Betrieb noch runder. Weiterbildung gehört für ihn dazu. Seinen nächsten Kurs hat er gerade erst gestern gebucht, denn er will sein Unternehmen zum Energiefachbetrieb zertifizieren.

Was wichtig ist und wo die Entwicklung hingeht, bekommt er noch besser mit, seit er im Vorstand der Bremer Elektroinnung sitzt. Das Engagement zahle sich aus. Gleichwohl könne man bei einer sich so rasant entwickelnden Branche nicht alles lernen und können. Zu weit das Feld. „Wer das versucht, hat ein Rad ab“, sagt er. Das Zukunftsmodell sieht Scholz im gewerke- und grenzübergreifend flexibel kooperierenden Kleinunternehmen. „Die Zeiten, in denen jeder für sich muddelt, sind vorbei“, sagt er. Sein Fremdspezialist ist der eigene Sohn. Ihn ruft er an, wenn er mal nicht weiterkommt. Irgendwann wird das Ingenieurbüro seines Sohnes seine Firma schlucken, glaubt er. Und fügt hinzu: „Etwas besseres kann ich mir nicht vorstellen.“

Der Stolz von Scholz

Ein Foto von seinem Nachwuchs muss man nicht lange suchen: Bereits auf der Startseite seiner Webseite wird man fündig. Die drei Sprösslinge halten auf dem Bild eine Leiter in der Hand. Tim hat einen roten Helm auf, Anne einen gelben und Marike einen grünen. Wie Tick, Trick und Track. Hübsch, schlau, selbstbewusst. Mittlerweile sind sie schon etwas älter, sagt ihr Vater, aber eigentlich sehen sie noch genauso aus.

Tim ist heute 26 Jahre alt, und bekleidet eine verantwortungsvolle Position in einer Bremer Werft. Seine kleine Schwester Marike studiert in Oldenburg Wirtschaftswissenschaften und zieht mit ihren 21 Jahren nebenbei bereits ambitioniert eigene Projekte durch. Anne, 28, arbeitet als Architektin in einem Berliner Büro. Vor kurzem haben sie einen Preis gewonnen.

Tick, Trick und Track sind flügge geworden und können schon richtig gut fliegen. Kirsten und Ralf Scholz besuchen sie oft und freuen sich über den guten Kontakt. Und damit es nicht zu ruhig wird im großen Haus, haben sie sich Lotta geholt. Die braune Labradorhündin ist vor allem anhänglich, faul und nicht geschäftstüchtig. „Ein perfektes Regulat“, sagt Scholz und verabschiedet sich. Denn Lotta ist heute noch viel zu kurz gekommen.

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